Die kurze Antwort: Wenn Sie Microsoft 365 Business Premium nutzen, ist Microsoft Defender for Business bereits in der Lizenz enthalten. Ein zusätzlicher Virenschutz eines anderen Anbieters kann dann eine Doppelzahlung sein. Er kann aber auch gute Gründe haben, etwa eine betreute Überwachung oder Server. Prüfen Sie deshalb Lizenz, Geräte, Server und Vertragslaufzeit, bevor Sie etwas kündigen.

Wo die Doppelzahlung entsteht

Meist ist es kein Fehler, sondern Historie. Der Virenschutz wurde vor Jahren eingekauft, bevor das Unternehmen auf Business Premium gewechselt ist. Oder der Dienstleister hat sein Standardprodukt mitgebracht und über seine Rechnung weiterberechnet. Beides fällt nicht auf, weil die Posten klein sind und sich pro Gerät summieren. Ähnliche Muster beschreiben wir im Beitrag zum SaaS License Sprawl und zu ungenutzten Microsoft-365-Lizenzen.

Die Rechnung ist einfach: Anzahl der Geräte mal Jahrespreis pro Gerät aus Ihrer Rechnung. Als reine Annahme zur Veranschaulichung: 40 Geräte zu 25 Euro pro Gerät und Jahr wären 1.000 Euro im Jahr. Ihre tatsächlichen Zahlen sehen Sie in Vertrag und Rechnung. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt davon ab, wie viel Sie zahlen und was der Wechsel kostet.

Was Defender for Business laut Microsoft mitbringt

Nach der Microsoft-Dokumentation ist Defender for Business eine Endpoint-Security-Lösung für Organisationen mit bis zu 300 Benutzern. Enthalten sind:

  • Virenschutz der nächsten Generation, für Windows mit vereinfachter Firewall- und Antivirenkonfiguration,
  • Endpoint Detection and Response (EDR), optimiert für kleine und mittlere Unternehmen,
  • Kernfunktionen des Schwachstellenmanagements,
  • automatisierte Untersuchung und Behebung sowie automatische Angriffsunterbrechung,
  • zentrale Verwaltung und monatliche Sicherheitszusammenfassungen.

Nicht enthalten sind unter anderem Microsoft Threat Experts und die verlängerte Datenaufbewahrung. Pro Benutzerlizenz können bis zu fünf Client-Geräte angebunden werden, unterstützt werden Windows, Mac, Android und iOS/iPadOS. Server brauchen zusätzliche Lizenzen. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.

Wann ein zweiter Anbieter trotzdem sinnvoll sein kann

Wir bewerten hier nicht, welches Produkt besser schützt. Es gibt aber nachvollziehbare Gründe, einen Drittanbieter zu behalten:

  • Betreute Überwachung: Sie wollen, dass jemand Alarme rund um die Uhr auswertet. Dann bezahlen Sie vor allem für die Leistung, nicht für den Scanner.
  • Server und Mischumgebungen: Für Server braucht Defender for Business ein Add-on. Bei vielen Servern empfiehlt Microsoft andere Lizenzarten.
  • Unternehmensgröße: Die Lösung ist für bis zu 300 Benutzer ausgelegt.
  • Vertragliche Vorgaben: Kunden, Versicherer oder Branchenregeln können bestimmte Nachweise verlangen. Klären Sie das vorher.
  • Laufender Vertrag: Eine vorzeitige Kündigung kann teurer sein als das Auslaufen lassen.

Was technisch passiert, wenn zwei Virenscanner laufen

Laut Microsoft ist Defender Antivirus nur dann primärer Virenschutz, wenn kein Drittanbieterprodukt aktiv schützt. Auf Windows-Clients ohne Anbindung an Defender for Endpoint wechselt er bei installiertem Fremdprodukt automatisch in den deaktivierten Modus. Mit Anbindung läuft er im passiven Modus: Dann entfallen unter anderem geplante Scans, Cloud-Schutz und Netzwerkschutz, während Dateiscans, Updates der Erkennungsdaten und EDR-Funktionen weiterlaufen. Das heißt für Sie: Sie zahlen für zwei Lösungen, nutzen aber im Alltag nur eine voll.

Auf Servern gibt es keinen automatischen Wechsel. Dort bleibt Defender bei installiertem Drittanbieter im aktiven Modus, und der passive Modus muss manuell gesetzt werden, bevor das Gerät angebunden wird. Das sollten Techniker einrichten, nicht jemand nebenbei.

Der Prüfablauf in sechs Schritten

  1. Lizenz klären: Welche Microsoft-365-Lizenzen haben Sie, und ist Business Premium dabei?
  2. Geräte zählen: Wie viele Clients und Server werden vom aktuellen Virenschutz geschützt?
  3. Kosten und Laufzeit erfassen: Preis pro Gerät, Vertragsende, Kündigungsfrist. Hinweise dazu im Beitrag zu den Vertragslaufzeiten.
  4. Bedarf festlegen: Brauchen Sie betreute Überwachung, Nachweise oder nur Schutz auf den Geräten?
  5. Pilot starten: Wenige Geräte umstellen, Meldungen und Alarme beobachten, Rückfall klären.
  6. Wechsel zum Vertragsende planen: Kündigung fristgerecht, Server gesondert behandeln, Ergebnis dokumentieren.
FrageWenn jaWenn nein
Business Premium im Einsatz?Defender for Business ist enthalten, Doppelzahlung prüfenEigenständige Lizenz oder anderes Produkt vergleichen
Mehr als 300 Benutzer?Andere Lizenzarten prüfenDefender for Business ist grundsätzlich vorgesehen
Server im Einsatz?Add-on oder andere Lizenz einplanenNur Clients: Aufwand überschaubar
Betreute 24/7-Überwachung nötig?Leistung gesondert bewertenWechsel ist wirtschaftlich naheliegender
Vertrag läuft noch lange?Zum Vertragsende wechselnPilot jetzt starten

Ein typisches Szenario (Beispiel, kein Kundenfall)

Ein Unternehmen mit rund 40 Arbeitsplätzen hat vor zwei Jahren auf Business Premium gewechselt, den bisherigen Virenschutz aber über die Sammelrechnung des Dienstleisters behalten. Bei der Jahresplanung fällt der Posten auf. Der Vertrag läuft noch fünf Monate, die Server sind separat betreut. Das Unternehmen stellt einen Pilot mit fünf Geräten auf Defender um, lässt den alten Vertrag auslaufen und klärt die Server vorab. Zahlen nennen wir hier bewusst nicht, weil sie vom Einzelfall abhängen.

Häufige Fragen

Ist Microsoft Defender for Business in Microsoft 365 Business Premium enthalten?

Ja. Laut Microsoft-Dokumentation enthält Business Premium Defender for Business, ausgelegt für Organisationen mit bis zu 300 Benutzern. Für Nutzer von Business Basic oder Business Standard gibt es Defender for Business auch eigenständig.

Wie viele Geräte deckt eine Lizenz ab?

Pro Benutzerlizenz können laut Microsoft bis zu 5 Client-Geräte angebunden werden, unterstützt werden Windows, Mac, Android und iOS/iPadOS. Server benötigen zusätzliche Lizenzen.

Muss ich meinen bisherigen Virenschutz sofort kündigen?

Nein, und das sollten Sie auch nicht überstürzen. Prüfen Sie zuerst Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist, planen Sie dann einen Pilot mit wenigen Geräten und kündigen Sie erst, wenn der Wechsel getestet ist. Bei automatischer Verlängerung zählt das Kündigungsdatum.

Was passiert, wenn zwei Virenscanner gleichzeitig laufen?

Auf Windows-Clients schaltet sich Microsoft Defender Antivirus laut Microsoft automatisch ab, wenn ein Drittanbieter-Virenschutz installiert ist. Ist das Gerät an Defender for Endpoint angebunden, läuft er im eingeschränkten passiven Modus. Auf Servern gibt es diesen automatischen Wechsel nicht, dort muss er manuell eingerichtet werden.

Gilt das auch für Server?

Nur mit zusätzlicher Lizenz. Laut Microsoft-FAQ gibt es dafür das Add-on Defender for Business servers für Windows und Linux, derzeit mit 3 US-Dollar pro Serverinstanz angegeben. Bei mehr als 60 Servern empfiehlt Microsoft andere Lizenzarten. Prüfen Sie den aktuellen Preis in Ihrem Angebot.

Reicht Defender aus oder brauche ich einen Drittanbieter?

Das hängt von Ihrem Bedarf ab, nicht von der Marke. Defender for Business bringt Virenschutz, Endpoint Detection and Response und Schwachstellenmanagement mit. Nicht enthalten sind laut Microsoft unter anderem Microsoft Threat Experts und die verlängerte Datenaufbewahrung. Wer eine rund um die Uhr besetzte Überwachung braucht, sollte diese Leistung gesondert bewerten. Die Schutzwirkung einzelner Produkte bewerten wir nicht.

Fazit: Erst prüfen, dann kündigen

Business Premium enthält bereits einen Virenschutz mit EDR. Ob ein zweites Produkt nötig ist, ist eine Bedarfsfrage, keine Gewohnheitsfrage. Wer seine Lizenzen, Geräte, Server und Laufzeiten kennt, entscheidet mit Zahlen statt mit Bauchgefühl, und spart das Geld, das für Doppeltes anfällt. Mehr zu den Hintergründen der IT-Sicherheit als Kostenthema finden Sie im Beitrag IT-Sicherheit als Kostenschutz.

Costshield prüft Lizenzen und Verträge herstellerunabhängig und ohne eigenes Produktinteresse. Dabei bewerten wir die Wirtschaftlichkeit, nicht die Schutzwirkung einzelner Produkte. Mehr dazu unter Microsoft-365-Lizenzen.

Quellen: Microsoft Learn: Defender for Business, Microsoft Learn: Defender for Business FAQ, Microsoft Learn: Defender Antivirus und Drittanbieter-Virenschutz.